
Presseinformation
Sprachförderung bei Krippenkindern
PD Dr. Zvi Penner (Linguist), Sandra Lenz (Diplom-Psychologin)
Die aktuelle Forschung hat wiederholt gezeigt, dass die Kernkompetenzen der Sprachentwicklung schon extrem früh erworben werden. Mit einem Jahr sprechen Kleinkinder ihre ersten Wörter und mit 2½ Jahren sind sie bereits in der Lage, erstaunlich komplexe Nebensätze zu bilden. Diesen Prozess vollziehen Kinder sehr souverän und selbstständig.
Leider hat aber auch fast jedes fünfte Kind eines Jahrgangs ernsthafte Schwierigkeiten beim Erwerb der eigenen Muttersprache. Dabei kommt es zu erheblichen Verzögerungen im Sprechbeginn, die sich sehr oft zu Störungen im Sprachlernprozess entwickeln. Eine Störung im Spracherwerb bedeutet, dass ein Kind nicht in der Lage ist, bestimmte Regeln seiner Muttersprache zu entdecken. In der Förderung setzt man daher Maßnahmen ein, die dem Kind helfen, diese spezifischen Regeln zu erkennen.
Im Projekt „Sprachförderung in Krippen“ wurde Dresdner Erzieherinnen auf Schulungen das sprachliche Regelwissen vermittelt, wissenschaftlich von Spracherwerbsforschern, Psychologen und Medizinern begleitet und auf die Machbarkeit und Wirksamkeit der eingesetzten Maßnahmen hin überprüft. Zu diesem Zweck wurden die Kinder zu Beginn und am Ende der Förderzeit (ein halbes Jahr später) getestet.
Die frühe Sprachförderung umfasste folgende Bereiche:
• Sprachrhythmische Grundlagen der Wortbildung
• Sensibilisierung für Lernstrategien zum Erwerb der Wortbedeutung
• Kognitive Grundlagen der Begriffsbildung
• Grundlagen der Raumpräpositionen
• Satzbildung
Die Grundlage für die Krippenerzieherinnenschulung war das Buch „Sehr frühe Förderung als Chance“ vom Schweizer Sprachwissenschaftler Dr. Zvi Penner, welches beim Troisdorfer Bildungsverlag EINS erschienen ist. Durch die tägliche Förderung mithilfe der multimedialen Materialien konnten die Kinder innerhalb dieser kurzen Zeit deutliche Lernfortschritte erreichen:
1.) Während die sprachunauffälligen Kinder ihren Wortschatz innerhalb der 5 Monate verdoppelten, konnten die sprachauffälligen Kinder ihren Wortschatz mehr als versechsfachen.
2.) Bei den sprachauffälligen Kindern veränderte sich die Qualität der verwendeten Wörter durch eine Zunahme von Wörtern, die in der unbetonten, letzten Silbe ein „e“ enthalten (z. B. Jacke, Löffel, Kuchen, etc.). Vor der Förderung wurden prozentual mehr Wörter gesprochen, die mit -a, -o, -u oder -i enden (z.B. Mama, Papa, Auto, Baby). Hier fand eine Steigerung von anfänglich 25 % auf 41 % statt. Dies ist ein wichtiger Entwicklungsschritt, da die meisten Wörter im Deutschen in der letzten, unbetonten Silbe ein „e“ enthalten.
3.) Im Bereich der grammatischen Entwicklung bildeten die sprachauffälligen Kinder zu Beginn der Förderung lediglich 10 % Wortkombinationen mit dem Wort „auch“ oder „nicht“, welches ein wichtiger Einstieg für die spätere Satzbildung ist (z. B. „auch trinken“; „nicht schlafen“). Nach fünf Monaten Förderung beherrschten alle Risikokinder „auch-“ und „nicht-Sätze“.
4.) Auch bei den Präpositionen („auf, über, unter, in, an“) sowie bei Verben wie „aufmachen“, „zumachen“, etc. konnten sehr große Fortschritte erzielt werden.
Aus den Berichten der Dresdner Erzieherinnen geht hervor, dass die Kinder sehr großen Spaß an den Sprachspielen hatten und manche Spiele von den Kindern selbst im täglichen Stuhlkreis regelrecht eingefordert wurden.
In den nächsten Jahren wird sich zeigen, wie die in der Krippe geförderten Kinder bei dem mit 5 Jahren stattfindenden Bielefelder Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten abschneiden werden. Sollte es gelingen, das Risiko für eine Legasthenie durch eine Regel geleitete Sprachförderung im Krippenalter zu verringern, wäre dies ein großer Erfolg für die Arbeit im Elementarbereich.
Über den Bildungsverlag EINS
Der im Jahr 2001 gegründete Bildungsverlag EINS ist einer der führenden Anbieter im Bereich von Aus- und Weiterbildung und steht für inhaltliche und methodische Fachkompetenz auf diesem Gebiet. Die Einzigartigkeit des neuen Programmbereiches "Bildung von Anfang an" findet Ausdruck im ganzheitlichen Bildungsgedanken, wie ihn auch die Bildungspläne der Bundesländer vorsehen. Hierzu wurden und werden zahlreiche Materialien mit didaktischen Hinweisen wie zum Beispiel Fachbücher, Praxisordner und Lernspiele entwickelt.












